Mittwoch, 15. April 2015

IS das ne Sternstunde?

Seit Christian Krug Chefredakteur des "Stern" ist, erlebt man erstaunlich oft jenes zuletzt aus den späten 70-ern kolportierte Gefühl, am Donnerstag unbedingt dieses Heft in die Hand kriegen zu müssen. 


Jetzt wieder! 
Exklusiv! 
Jürgen Todenhöfer "Im Herzen des Kalifats"! 

Allein, man darf Entwarnung geben. Die Lektüre des Vorabdrucks aus Todenhöfers Buch "Inside IS" ist enttäuschend. Nicht nur erfährt man sehr wenig, die Sprache ist für Todenhöfer auch erstaunlich blass und phrasenhaft, mal herrscht "schneidene Kälte", dann wieder "eisige Stille", der Aufpasser ist "fast so breit wie hoch", "jeder rennt, so schnell er kann", und wenn's halbwegs spannend wird, kann man "das Gespräch nicht vertiefen", leider. 

Hier die Top 3 der schüleraufsatzhaften Worthülsen aus der Todenhöfer-Reportage im "Stern" (17/2015):

"... es geht über Stock und Stein" 

"Mir bleibt fast das Herz stehen"

"Es herrscht dicke Luft."

Dann lieber doch nochmal die Reportage ansehen, die vor etwa einem Jahr der Reporter Medyan Dairieh für VICE gedreht hat. 

Montag, 13. April 2015

Krass


Die wichtigsten Werke von Günter Grass (R.I.P.)...
... in maximal fünf Wörtern.

Die Blechtrommel (1959):
Giftzwerg nervt Nazi-Kleinbürger.

Katz und Maus (1961):
Auch Hitlerjungen hatten Sex.

Hundejahre (1963):
Deutsche sind hündisch treu.

Der Butt (1977):
Männer hassen ihre Frauen.

Kopfgeburten (1980):
Hoffentlich sterben die Deutschen aus.

Die Rättin (1986):
Hoffentlich geht die Welt unter.

Das weite Feld (1995):
Die DDR war ganz okay.

Beim Häuten der Zwiebel (2006):
Ich war bei der Waffen-SS.

Grimms Wörter (2010):
Die deutsche Sprache bin ich.


Samstag, 28. März 2015

Das ganz normale Böse




Wir leben in einer Zeit, in der die Allgegenwärtigkeit des Bösen gerne geleugnet wird. 

Wir alle üben Gewalt aus. Täglich. Im Kleinen. "In Gedanken, Worten und Werken." Wenn wir unsere Macht gegenüber Schwächeren ausspielen. Wenn wir über Kollegen tratschen. Wenn wir wegsehen, wenn in unserem Umfeld Unrecht geschieht. Klingt banal? Ist es nicht. Und wenn, dann allenfalls – um mit Hannah Arendt zu sprechen – so banal wie das Böse selbst. Die allermeisten von uns sind auch anfällig dafür, sich über ethische Normen und Moral hinweg zu setzen, wenn dies denn scheinbar rationellen Zielen dient und "von oben" autorisiert ist. Wer daran zweifelt, sei an das berühmte Milgram-Experiment erinnert, hier dazu ein kleiner YouTube-Link.

Wenn das Böse nicht mehr zu leugnen ist, wie jetzt im Falle #AndreasLubitz #4U9525, wählen wir gerne die bequeme Option, es weg zu schieben. Weit weg. Am besten auf die psychisch Kranken. Die Irren. Hauptsache ganz weit weg. Das wiegt uns im wohligen Gefühl der Unanfälligkeit für Gewalttaten. Dazu habe ich einen Beitrag auf Bild.de verfasst, hier ist er zum Nachlesen
Dazu empfehle ich einen hervorragenden Kommentar des Guardian, eine Warnung, Menschen mit depressiven Störungen zu brandmarken. Jeder Journalist, der Menschen mit Depressionen uninformiert oder gedankenlos als "gefährlich" bezeichnet, macht sich schuldig. Wieder ein paar Menschen mehr, die diese heilbare Krankheit als Makel empfinden und Behandlung scheuen.

Zur Vertiefung des Themas empfehle ich die Schriften und Vorträge des in meinem BILD-Artikel mehrfach zitierten berühmten forensischen Psychiaters Professor Reinhard Haller. Hier ein Interview mit ihm auf Deutschlandradio Kultur und hier ein Dialog mit ihm zum Thema "Das ganz normale Böse":


Sonntag, 8. März 2015

Lesen!



Ok, ok, Ihr seid mit Houellebecq durch.
Was muss man jetzt lesen?
DAS!

"The Opposite of Loneliness" war 2014 mein absolutes Lieblingsbuch. Die Essay-Sammlung dieser 2012 bei einem Autounfall getöteten Yale-Literatur-Studentin wurde posthum veröffentlicht. Jetzt gibt es dieses Buch (Chapeau Fischer-Verlag!) erfreulicherweise auch auf Deutsch.

Wer mehr wissen will, muss diesen Artikel lesen.
Oder es einfach bestellen, weil Ihr mir vertraut.
Zum Beispiel hier.


Dienstag, 3. März 2015

Die Quintessenz

Habt Ihr das Interview im SPIEGEL mit Michel Houellebecq gesehen? Wahnsinn! Unfassbar! Umwerfend!





Hier ein paar prägnante Passagen:


Wir wohnen einer Rückkehr des Religiösen bei. Ein Paradigmenwechsel, ein Prozess der Respiritualisierung ist im Gang. Das Glaubens- und Wertesystem verändert sich. Eine Gedankenströmung, die mit der Reformation begann und mit der Aufklärung ihren Höhepunkt erreichte, ist dabei, zu erlöschen.

* * *

Der Rationalismus wird von immer mehr Menschen als erstickend empfunden. Es gibt eine spirituelle Macht, die noch aktiv ist und sogar wieder erstarkt. Das lässt sich am Erfolg gewisser Bücher und Filme wie "Der Herr der Ringe" ablesen. Der Atheismus weicht zurück, er stirbt an seinen eigenen Zweifeln. Ich teile die Ansicht des Philosophen Auguste Comte, dass eine Gesellschaft ganz ohne Religion nicht fortbestehen kann. Ihr droht die völlige Desintegration. Religiöse Werte und Normen, die die soziale Ordnung stärken, wirken angstlindernd und entlastend auf den Einzelnen.

* * *

Persönlich bin ich überzeugt, dass noch viel Kraft im Katholizismus steckt. Ich glaube, er hat Zukunft, obwohl sich die Entwicklung im Buch anders darstellt. Der Protest gegen die gleichgeschlechtliche Ehe brachte in Frankreich ungeheure Menschenmengen auf die Straße, darunter eine neue Generation junger Katholiken, modern, offen, sympathisch, brüderlich, leuchtend, wie ich sie nie gesehen hatte. Ganz anders als die alten Traditionalisten oder die Progressisten, die in Wahrheit verkappte Protestanten sind.

* * * 

Mein Talent besteht darin, Wirkungsmächte in der zeitgenössischen Gesellschaft ausfindig zu machen. Und der Wunsch nach Unterwerfung ist eine Kraft, die wieder wirksam wird. Die Religion hat dabei die Nase vorn, denn alle anderen Unterwerfungssysteme, Nationalismus, Faschismus, Kommunismus, sind im Abseits der Geschichte gelandet. Sie kommen nicht mehr infrage. Die Aufklärung ist am Ende. Der Humanismus ist tot. Der Laizismus, vor über 100 Jahren erfunden von Politikern, die im Atheismus die Zukunft sahen, ist tot.


Touché!



Montag, 9. Februar 2015

What this is about

In letzter Zeit erreichen mich immer wieder anonyme Leserkommentare, die die Eitelkeit meiner Zurschaustellung hier belächeln.

Erstens: Natürlich bin ich eitel. Zweitens: Sinn und Zweck dieses Blogs war eigentlich immer hauptsächlich, meiner Mutter und einigen Freunden, zu deren täglichen Lektüre nicht die BILD-Zeitung gehört, über meine publizistischen Aktivitäten in den Zonen der irdischen Eitelkeit auf dem Laufenden zu halten. Meine Mutter liest nämlich nur Die Tagespost, dadurch bekommt sie in der Regel nicht mit, was ich so in Berlin treibe. 


Am Samstag muss sie gestaunt haben, als besagte Zeitung meinem Buch Smalltalk eine freundliche Rezension widmete.

Was meine Mutter wiederum nicht mitbekommen hat, war: dass ich mich am Samstag in BILD an einer kleinen Apologie der jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus versucht habe. Hier ist sie. Speziell für meine Mutter. 

Was sie ebenfalls nicht mitbekommen hat: Vergangene Woche stattete die ehemalige Kaiserin von Persien der BILD-Redaktion einen Besuch ab. Den kleinen Bericht darüber finden Sie (nein, findet siehier.


Sonntag, 25. Januar 2015

Lassen Sie uns reden


... über Smalltalk, zur Abwechslung. In der Sonntagsausgabe der Wiener Presse ist ein Interview mit mir erschienen. Und hier noch ein Gespräch, das Jan Küveler mit mir für die Literarische Welt geführt hat. Und dann habe ich noch einen Talkshow-Auftritt absolviert. War grauenhaft. Aber es brachte mir einen erholsamen Tag mit Roomservice im Parkhotel in Bremen ein.